Gesunde Haut jeden Tag: Praktische Tipps von Dr. Maria Panourgia

„Viele Patient:innen leiden im Stillen – nicht weil es keine Hilfe gibt, sondern weil Scham das Gespräch verhindert.“

Wussten Sie, dass Hautprobleme bei Menschen, die mit Inkontinenz leben, häufig vorkommen?
Wir haben Dr. Maria Panourgia, Fachärztin für Geriatrie am Milton Keynes University Hospital, nach einfachen und wirksamen Möglichkeiten gefragt, die Haut gesund zu halten.
Erfahren Sie, was die Expert:innen empfehlen.

Die Wahl des richtigen Inkontinenzprodukts zum Schutz der Hautgesundheit

Fiona Ecarnot: Welchen Rat geben Sie Patient:innen bei der Auswahl eines Inkontinenzprodukts, um die Haut zu schützen?

Dr. Maria Panourgia: Viele Patient:innen haben bereits Erfahrung mit saugfähigen Produkten, oft aus der Betreuung kleiner Kinder. Die Grundprinzipien haben sich nicht geändert. Komfort ist entscheidend. Das Produkt sollte nicht sperrig sein, Feuchtigkeit effektiv aufnehmen und Bewegungsfreiheit ermöglichen.

Für mobile Menschen sind Pants-Produkte oft die beste Wahl. Sie sind einfach anzuwenden und fühlen sich natürlicher an – ähnlich wie normale Unterwäsche. Für Menschen, die bettlägerig sind oder eine eingeschränkte Mobilität haben und auf Pflegepersonen angewiesen sind, eignen sich Produkte besser, die sich leicht anlegen und wieder entfernen lassen.

Die Passform ist entscheidend. Produkte sollten eng anliegen, ohne zu drücken oder sperrig zu sein. Voluminöse Produkte können Druckstellen verursachen und das Risiko von Hautschäden erhöhen. Ebenso wichtig ist die Saugfähigkeit: Urin muss schnell aufgenommen und im Produkt eingeschlossen werden, damit keine Feuchtigkeit zur Haut zurückkehrt.

Schließlich muss die Schicht, die direkt auf der Haut liegt, hautfreundlich sein – hypoallergen und atmungsaktiv. Wenn die Haut atmen kann, bleibt die Temperatur niedriger. Das reduziert das Bakterienwachstum und ist entscheidend für die Vorbeugung von Infektionen.

Warum kann die Verwendung des falschen Produkts die Haut schädigen?

Fiona Ecarnot: Wie kann die Verwendung des falschen Produkts – zum Beispiel von Menstruationsbinden – zu Hautkomplikationen führen?

Dr. Maria Panourgia: Menstruationsbinden und Inkontinenzprodukte sind für sehr unterschiedliche Zwecke konzipiert. Menstruationsprodukte sind darauf ausgelegt, dickflüssigere Substanzen wie Blut aufzunehmen, das sich anders verhält als Urin. Urin ist deutlich flüssiger und erfordert einen anderen Absorptionsmechanismus.

Menstruationsbinden sind nicht dafür ausgelegt, die Menge an Urin aufzunehmen oder zu verhindern, dass Feuchtigkeit zur Haut zurückkehrt. Das kann zu Auslaufen, Geruchsbildung und einer längeren Feuchtigkeitsbelastung der Haut führen. Zudem hat Urin einen höheren pH-Wert als die Haut. Menstruationsbinden sind nicht darauf ausgelegt, dieses pH-Ungleichgewicht auszugleichen, was die Hautbarriere stören und zu Reizungen sowie Dermatitis führen kann.

Inkontinenzeinlagen hingegen sind speziell dafür entwickelt, Urin aufzunehmen und dabei den natürlichen pH-Wert der Haut zu respektieren. Die Haut ist ein lebendiges System – und sie braucht Schutz.

Trotzdem verwenden rund 36 % der Frauen weiterhin Menstruationsbinden bei Harninkontinenz. Gründe dafür sind häufig Stigmatisierung, Scham beim Kauf von Inkontinenzprodukten oder Kostenbedenken. Langfristig ist die Behandlung von Hautinfektionen und Dermatitis jedoch – körperlich wie auch finanziell – deutlich kostspieliger, als von Anfang an das richtige Produkt zu verwenden.

Die Rolle hautfreundlicher Materialien und schützender Pflege

Fiona Ecarnot: Gibt es Vorteile bei der Verwendung hautfreundlicher Materialien oder schützender Bestandteile wie Zink?

Dr. Maria Panourgia: Absolut. Der Schutz der Haut ist für Menschen mit Harninkontinenz eine tägliche und kontinuierliche Aufgabe. Ständige Feuchtigkeit kann zu Mazeration, Reizungen und einer Inkontinenz-assoziierten Dermatitis führen. Warme, feuchte Bedingungen fördern zudem das Wachstum von Bakterien und Pilzen, wodurch Infektionen wahrscheinlicher und schwieriger zu behandeln werden.

Schutzcremes – insbesondere solche mit Zinkoxid – sind unerlässlich. Sie bilden eine schützende Barriere, die die Haut vor Feuchtigkeit und Reizungen schützt. Auch feuchtigkeitsspendende Cremes sind wichtig, um die Haut widerstandsfähig und gesund zu halten.

Vorbeugung ist immer einfacher als Behandlung.

Tägliche Pflege: Was sollten Patient:innen und Pflegepersonen tun?

Dr. Maria Panourgia: Einlagen sollten gewechselt werden, sobald sie feucht sind. Das kann eine Herausforderung sein – insbesondere bei Patient:innen mit Demenz oder in der Langzeitpflege –, daher müssen Pflegepersonen besonders aufmerksam sein.

Inkontinenzeinlagen enthalten superabsorbierende Materialien, die Flüssigkeit in ein Gel umwandeln und sicher im Produkt einschließen – selbst unter Druck. Diese Technologie ist sehr effektiv, funktioniert jedoch nur dann richtig, wenn die Einlagen regelmäßig gewechselt werden.

Gute Pflege umfasst:



  • die Verwendung des richtigen Inkontinenzprodukts

  • den regelmäßigen Wechsel der Einlagen

  • das Auftragen von Schutzcremes

  • das Eincremen der Haut bei jedem Wechsel

Die Haut sollte außerdem regelmäßig kontrolliert werden. Rötungen, Reizungen oder Stellen, an denen Patient:innen wiederholt berühren oder kratzen, können frühe Anzeichen einer Dermatitis sein. Bei Menschen mit sehr empfindlicher Haut sind häufigere Kontrollen besonders wichtig.

Hygiene ist wichtig. Reinigen Sie den Bereich sanft mit geruchsfreien, hypoallergenen Produkten. Trocknen Sie die Haut anschließend durch vorsichtiges Abtupfen – niemals durch Reiben –, um die schützende Hautbarriere nicht zu beschädigen.

Fiona Ecarnot: Warum glauben Sie, dass viele Menschen bei hautbedingten Problemen im Zusammenhang mit Inkontinenz keine Behandlung in Anspruch nehmen?

Dr. Maria Panourgia: Es ist eine Kombination aus Stigmatisierung und mangelndem Bewusstsein. Weniger als die Hälfte der Patient:innen spricht diese Probleme bei ihren Ärzt:innen an. Auch wenn sie mit medizinischem Fachpersonal oft offener sprechen als mit anderen, fühlen sich viele dennoch unwohl, das Thema anzusprechen.

Harninkontinenz betrifft einen sehr intimen Bereich – sowohl körperlich als auch sozial. Für Menschen, die ansonsten aktiv und selbstständig sind, ist es oft besonders schwierig, darüber zu sprechen.

Was können Gesundheitsfachkräfte besser machen?

Dr. Maria Panourgia: Gesundheitsfachkräfte müssen das Gespräch aktiv beginnen und das Thema normalisieren. Harninkontinenz ist weit verbreitet. Sie betrifft sowohl Frauen als auch Männer und tritt mit zunehmendem Alter, nach einer Geburt oder bei einer Schwächung des Beckenbodens häufiger auf.

Wenn Patient:innen verstehen, dass es sich um eine normale und gut behandelbare Erkrankung handelt, fühlen sie sich sicherer, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Frühe Gespräche über die richtigen Produkte und eine geeignete Hautpflege können später ernsthafte Komplikationen verhindern – und so den Bedarf an Antibiotika oder Antimykotika reduzieren.

Prävention kommt sowohl den Patient:innen als auch dem Gesundheitssystem zugute.

Verbesserung der Aufklärung für Patient:innen und Pflegepersonen

Fiona Ecarnot: Wie können wir die Aufklärung und das Bewusstsein bei Pflegepersonen verbessern?

Dr. Maria Panourgia: Rund 80 % der Pflegepersonen sind nicht darin geschult, eine Inkontinenz-assoziierte Dermatitis zu erkennen. Im Gegensatz zu Druckgeschwüren, die umfassend dokumentiert und mit visuellen Leitfäden versehen sind, gibt es nur sehr wenig praxisnahes Material zu Hautreizungen im Zusammenhang mit Inkontinenz.

Wir brauchen einfache Hilfsmittel: visuelle Leitfäden, kurze Videos und klare Anweisungen. Pflegepersonen sollten frühe Anzeichen erkennen können, grundlegende Maßnahmen wie das Auftragen von Zinkcreme anwenden und wissen, wann sie das Problem an medizinisches Fachpersonal weiterleiten müssen.

Unbehandelte Hautreizungen können das Leben eines Menschen stark einschränken – sie hindern Betroffene daran, das Haus zu verlassen, soziale Kontakte zu pflegen oder sich sogar klar zu konzentrieren. Bei besonders vulnerablen Patient:innen, etwa Menschen mit Demenz, können Hautreizungen zu Delirium oder schweren Infektionen führen.

Aufklärung verbessert die Lebensqualität und senkt die Gesundheitskosten.

Das große Ganze: Lebensqualität und soziale Reintegration

Fiona Ecarnot: Was wünschen Sie sich, dass mehr Patient:innen über den Zusammenhang zwischen Inkontinenz und Hautgesundheit verstehen?

Dr. Maria Panourgia: Viele Menschen bringen diese beiden Themen schlicht nicht miteinander in Verbindung. Aus Scham leiden sie im Stillen. Harninkontinenz definiert weder Intelligenz noch Leistungsfähigkeit oder den Wert eines Menschen. Man kann ein erfülltes, aktives Leben führen und dennoch von dieser Erkrankung betroffen sein.

Wenn sie richtig behandelt wird – mit den passenden Produkten, geeigneter Hautpflege und der richtigen Unterstützung –, können Menschen weiterhin arbeiten, soziale Kontakte pflegen und würdevoll leben.

Heute sprechen wir offen über viele andere gesundheitliche Themen. Harninkontinenz sollte keine Ausnahme sein. Es handelt sich um eine medizinische Erkrankung – und es gibt Lösungen.

Wann präventive Hautpflege beginnen sollte

Dr. Maria Panourgia: Präventive Pflege sollte sofort beginnen – idealerweise noch bevor Reizungen auftreten. Der perineale Bereich ist bereits anfällig für Feuchtigkeit und eingeschränkte Luftzirkulation, selbst ohne Inkontinenz.

Sobald Harninkontinenz vorliegt, werden Hygiene und Hautschutz noch wichtiger. Treten trotz angemessener Pflege Reizungen auf, ist eine ärztliche Abklärung notwendig, um Infektionen auszuschließen und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Prävention ist immer der erste Schritt. Die Behandlung folgt später – wenn Prävention nicht ausgereicht hat.

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